Zweiter Abschnitt: Mein erster GROSSER Sprung, über Wasser nach Hawaii...bitte schön...
Von La Verne, Brackett Field, Calif (KPOC) nach Hilo, Hawaii (PHTO),
2268 Seemeilen, Geschätzte 15 Flugstunden bei meist günstigen Winden
Geschätzte Abflugzeit 5 Uhr morgens (bin sicher, mein Bruder kann früh aufstehen, um
mich zum Flughafen zu bringen). Das wird mich um 6 Uhr abends (Ortszeit) in Hawaii eintreffen lassen,
mit einem Zeitgewinn von 2 Stunden.
Dies ist mein erster grosser Abschnitt über Wasser und der einzige mit nur begrenzten Optionen;
zum Beispiel gibt es keine Inseln zwischen der kalifornischen Küste und Hawaii. Ich werde zusätzlich
zu meiner Reichweite von 2700 Seemeilen die ganze Sicherheitsausrüstung und redundante
Gerätschaften an Bord haben. Der Trip wird von jenen, die diesen Flug bereits gemacht haben, als
13 Stunden ruhigen und zwei Stunden turbulenten Fluges beschrieben.
Flugbericht: Von Kalifornien nach Hawaii
5. März 2003
Was für ein Morgen, nicht wie geplant - wieder mal .... aber diesmal überwiegend sonnig. Ich erwachte
um 5 Uhr früh, und versuchte händeringend FSS [FSS = Flight Service Station, Flugberatungsstation]
anzurufen um ein aktualisuiertes Flugwetter zu bekommen. Ich hatte gestern den ganzen Dienstag Nachmittag
die NOAA- und Flugwetterkarten betrachtet [NOAA = National Oceanic and Athmosperic Administration],
so wie ich dreimal versuchte, FSS anzurufen, um ihren Rat in Sachen Wetter und Wind zu bekommen..
Ich hatte meine Abreise für Donnerstag geplant, um einen zusätzliche Tag mit meinem Bruder
Richard, dessen Frau Di und McKenna, dem geliebten Töchterchen verbringen zu können.
Aber, als ich schließlich die aktuellen Wetterkarten herunterlud, schauten die Dinge einfach zu
perfekt aus. Rückenwide, ein Hochdruckgebiet nördlich der Route, eine gute Vorhersage für die
Ankunft in Hilo, ich konnte einfach nicht warten. Falls ich es versuchte, hätte ich mir den ganzen
Tag Gedanken darüber gemacht, daß das Hoch abziehen und ein neues Tief aufziehen könnte.
Daher gab ich den Flugplan auf und begann zu packen. Als Richard aufstand, gab ich jeden ein
Abschiedsküsschen, und er fuhr mich zum Flughafen. Mit dem Blick nach Süden sah ich Nebel im
Tal; sie wohnen hier 1000 Fuss über dem Flughafen. Obwohl Long Beach klar war, herrschten
in Brackett noch niedriger Dunst, die sich aber schnell hob. Im Auto gab ich [telefonisch]
einen IFR Flugplan von Brackett nach Long Beach auf. Beladung und Vorflugkontrolle gingen rasch
vonstatten, da nicht allzuviel entladen wurde. Große Umarmung zur Verabschiedung mit Wünschen
für einen guten Flug über den pazifik im Namen der ganzen Familie und allen Freunden. Zuerst aber
mußte ich Long Beach erreichen.
Es war ein normaler Start aus Brackett nach Long Beach zum Auftanken. Wir durchstiegen schnell den
niedrigen Dunst und waren in nichts über den Wolken. Wieder war ich gut dran, praktisch niemand
sprach mit Socal Anflugkontrolle. Sie gaben mich für die Luftstraße V394 frei, und kurz nachdem
ich 4000 Fuss erreichte, wurde ich schon wieder für den Sinkflug freigegeben. Die 10.000 Fuss lange
Piste war einfach auszumachen, und ich wurde für den Sichtanflug auf die Piste 30 freigegeben.
Ich tankte bei Rainbow Air auf, und obwohl die Preise unnerhlab eines Tages um 10 Cent [pro Gallone]
gestiegen waren, war es immer noch der preiswerteste Sprit ringsum. Die Mechaniker wurden neugierig,
als sie die Zapfpistole in der Kabine verschwinden sahen. Sie liefen um die Maschine, stellten aber keine
Fragen und gingen zurück an die Arbeit. Nach dem Auftanken machte ich eine weitere kurze Vorflugkontrolle,
stieg ein, startete den Motor und rief Clearance Departure [Frequenz an größeren Flughäfen, auf welcher
bei IFR Flügen die Streckenfreigaben erteilt werden]. Da war kein Flugplan zu finden ....hmmmm.
Motor abstellen, wieder raus, rein isn Gebäude und Anruf bei FSS. Offensichtlich fehlten einige
Semikolons im Flugplan, der nun im System klemmte. Einige Minuten später hatten de sehr hlfreiche
FSS und das Center alles gerade gezogen. Der Bursche vom Flight Service war extrem hilfreich, verstand,
daß Zeit ein wichtiger Faktor war und vermittelte zwischen dem Center und mir, das Problem zu klären,
während wir beide am Telefon hingen. Er erzählte, er hätte mit Steve Fossett während seines Trips
gearbeitet und gelernt, eines Inlandsflugplan nach Hawaii zu erstellen. Ich dankte ihm reichlich
für seine Zuarbeit und er wünschte mir eine gute Reise.
Nochmals der Gang zu den Toiletten, dann zurück zum Flugzeug, Anlassen und Clearance rufen. Sie finden
meinen Flugplan, prüfen, daß ich wirklich nach Hilo will und wie lange das brauchen wird.
Die Bodenkontrolle ist ein wenig überrascht, als ich die ganze 10.000 lange Piste anfordere; ich erkläre,
die Maschine sei überladen und der Lotse gibt mich bis zum Ende des Rollweges frei [am Ende des Rollweges
liegt der Anfang der Piste]. Während des Probelaufes prüfte ich alle Tanks um mich zu versichern das
keine Luft in den Leitungen war. Der Motor stotterte und hustete bei Versorgung durch den hinteren Tank,
hörte dann aber auf -- ich war dankbar, auf dem Boden zu sein. Der Tower erteilte die Startfreigabe,
ich bin verwundert über den wenigen Verkehr; vielleicht habe ich auch nur wieder Glück und es ist ein
ruhiger Tag. Dr Tower wünschte mir eine gute Reise und übergab mich an Departure [die Abflugkontrolle].
Der Steigflug fühlt sich diesmal besser an; vielleicht liegt's an dem sonnigen Tag und der guten
Sicht: nur 14 Minuten bis hinauf auf 6.000 Fuss. Es gab mehrere Übergaben der Socal Anflugkontrolle inerhalb
kurzer Zeit, aber jeder wünscht mir eine gute Reise, und ein Bursche meint, Besser Du als ich.
Umschalten auf den hinteren Tank und 6 Stunden 15 Minuten Abwarten bis zur nächsten Tankumschaltung.
Ich war während dieses Starts nicht besorgt und hatte keine Zeit, es während des Fluges zu sein, aber
aus irgendeinem Grund war mein Magen noch immer angespannt, als ich den Steigflug beendete.
Die auf dem vorhergehenden Abschnitt verspürte Entspannung stellte sich diesmal nicht ein -- vielleicht
war ich irgendwo tief drinnen ein bischen besorgt.
Ich prüfte und prüfte alles mögliche. Ich fragte die Streckenkontrolle, ob ich das Kurzwellenradio
prüfen könne -- es arbeitete bestens. Also warum war dieser Knoten immer noch da? Ich schaute nach draußen
auf die schöne, ruhige blaue See und die paar bauschigen Wolken voraus. Ich atmete tief durch und fragte
mich, warum ich dies tue, dann entspannte ich mich und lächelte. Es brauchte eine Zeitlang, aber schließlich
fühlte ich mich besser. Ich sah auf die Geschwindigkeit [über Grund], die war zurück auf 150 Knoten.
Ich lächelte wieder.
Ok, ich werde einige Berechnungen auf diesem Abschnitt durchzuführen haben, also los.
Ich überlegte: Sie [die Flugsicherung] sahen mich auf dem Radar, und ich würde meine meine Positionen
an der ersten obligatorischen Flugwegkreuzung beginne zu melden. Ich legte eine Karte zur Berechnung
der Distanzen und Zeiten zurecht, so daß ich nur noch die geschätzte und tatächliche Überflugzeit
für jeden Wegpunkt zu notieren hätte. Am ersten Meldepunkt machte ich meine Positionsmeldung und
empfing ein N220FC, roger. Was für Zuspruch. Ich erwartete Jubelrufe für meine erste
Positionsmeldung. Nun, ich schlug mir auf die Schulter und machte mich bereit für die nächste
Meldung. Ich lauschte den Linienfliegern über mir und änderte meine Worte ein wenig, um etwas
professioneller zu klingen. Zumindest hatte ich ein gutes, starkes Funksignal (dank Wes und Sandy)
und würde die ganze Zeit Funkkontakt haben.
Da ist eine Wolkenschicht unter mir, und ich bin in ruhiger Luft in 6000 Fuss. Immer mal wieder
gibt es ein Loch in der Wolkendecke und ich kann das Meer darunter sehen. Es ist relativ ruhig aus.
Ich ertappte mich beim Starren auf die Instrumente. Wenn der Öldruck sich ein wenig änderte und die
mit ihr die Öltemperatur, rutschte mir das Herz in die Hose. Ales war normal, hör auf, auf die Instrumente
zu starren, nichts ist verkehrt. Einige Minuten später gaben die Batterien in meinen Aktiv-Kopfhörern
auf -- ich zuckte regelrecht auf bei der plötzlich einhergehenden Geräuschzunahme. Ok, ok,
beruhige dich. Nimm's leicht, alles ist in Ordnung. Tief einatmen. Ich war beim Start nicht besorgt,
aber auf einmal, nach einem Drittel des Weges, verlor ich die Nerven. Fast an der Zeit, die Tanks zu
wechseln. Ich werde es diesmal ein paar Minuten vor der vollständigen Entleerung tun, um mich nicht
über den hustenden Motor sorgen zu müssen. Beim letzten Mal war dies nach 6 Stunden 30 Minuten der
Fall, also werde ich ich nach 6 Stunden 15 Minuten umschalten. Nach 6 Stunden 7 Minuten begann der Motor
zu husten. Meine Hand war bereits am Tankschalter, und ich schaltete sofort, aber gerade das wollte
ich ja vermeiden. Wir werden sehen, ob ich das beim vorderen Tank besser mache. Der Verbrauch des
hinteren Tanks war bei 8.2 Gallonen pro Stunde. Ein wenig mehr als auf dem ersten Abschnitt, aber
immer noch weniger als geplant. Wenn der Motor rund läuft, atme ich gleich ein ganzes Stück besser.
Ich fühle mich wieder gut.
Ein aufgewühlter Himmel im Süden. Das sah aus wie große Sturmzellen zwischen Hawaii und Amerikanisch
Samoa, als ich gestern den Weather Channel [US-Wetterfernsehen] schaute. Aber das hier
sieht zu nah aus, als das es sich um diese Sturmzellen handeln könnte. Es gibt höhere Wolken voraus,
aber sie sehen recht dünn aus, und auf dem Wetterradar ist nichts zu sehen. Einige Minuten später bin
ich im Regen. Nicht viel Turbulenz, aber wir verbleiben für eine Stunden im Wechsel von Regen und Wolken.
Es muss dieser kleine Trog sein, welchen ich die letzten zwei Tage auf den Karten gesehen habe.
Jenseits des Trogs ist es prächtig. Kleine bauschige Wolken, eine Menge blaues Wasser und ein
Rückenwind, der mich zurück auf 150 Knoten bringt. Ich war runter auf 139 - 142 Knoten die Stunde.
Die Karten wiesen diesen Gebiet und die guten Winde dahinter aus, und das ist es was ich bekam.
Klarer Himmel von un an.
Neun Stunden vorbei und ich muß aufs Töpfchen. Führt kein Weg dran vorbei. Ok, probier nochmals die
erste Position. da ich nicht jede Minute auf die Flugsicherung lauschen und mit ihnen sprechen muss,
gibt mir die Abnahme des Kopfhörers etwas mehr Kopffreiheit zum manövrieren. Gut, gut, gut, Erfolg.
Nicht wirklich elegant, aber erfolgreich. Die Sonne geht um 5 Uhr 35 Hawaiianischer Zeit unter,
und es wird kühler. Ich dachte, dies würde eine warme Reise werden, aber ich ertappe mich dabei, die
ganze Zeit mein einziges Fleece zu tragen. Hoffentlich ist mir morgen in Hawaii wärmer.
Die Sonne versinkt rasch gegen 17 Uhr 30 (Ortszeit Hawaii) hinter den voraus liegenden Wolken.
Da fliegt eine große Zweimotorige über mir auf "meiner" Luftstraße in die entgegengestezte Richtung.
Die Sterne werden sichtbar, es ist ein klarer Himmel über mir, mit einer Schicht vereinzelter bis
aufgelockter Bewölkung einige tausend Fuss unterhalb. Noch 4.5 Stunden zu fliegen, und ich kann mein
Ziel auf dem GPS sehen, noch 670 Seemeilen zurück zu legen. Selbstverständlich habe ich mein
GPS auf einen 1000 Seemeilen umfassenden Bereich eingestellt, aber es gibt mir nichts desto
weniger ein gutes Gefühl. Nur mehr 4 weitere Positionsmeldungen über Kurzwelle, dann bin ich wieder
zurück auf VHF. Ich bin mit den Kurzwellenmeldungen sehr zufrieden, jede einzelne von ihnen
wurde mit einem Roger oder einer korrekten Wiederholung meiner Position [Readback]
bestätigt. Andere Piloten hörte ich "unverständlich", "verstümmelt" oder "schwach". Vielen Dank
an Wes und Sandy, die den Kurzwellenfunk installierten und einstellten. Er arbeitet sehr gut.
Mit Sternen über mir, Wolken unter mir, nur noch 100 Meilen vor mir begann ich vor ein paar Meilen
über VHF mit Honolulu Center zu sprechen. Auf den letzten 50 Meilen packte uns ein Gegenwind
von 12 - 15 Knoten. Aber nach dem Rückenwind während der ganzen Strecke will ich mich nicht
beschweren. Ich werde bis hinunter auf 3000 Fuss freigegeben und sinke durch Regen und turbulente Wolken.
Ich hörte zwei Wetterberichte in der letzten Stunde: Flugsicht 10 Meilen, aufgelockerte Bewölkung
in 3800 Fuss, geschlossene Bewölkung in 4900 Fuss und zuletzt, ein paar wenige Wolken in 2600 Fuss.
Nun, es gab einen Instrumentenanflug auf die Piste 26, den ich bis hinunter auf 500 Fuss nutzte.
Es regnete mit Wolken 500 Fuss tief und vielleicht 5 Meilen Flugsicht. Willkommen in Hilo, Hawaii!!
Eine Navaho war die meiste Zeit meines Fluges vor mir, und während ich mich im Endanflug befand,
sie riefen über Funk rein um mich die aktuellen Verhältnisse wissen zu lassen. Sie halfen mir auch beim
Verzurren und wir teilten uns eine Fahrt zum Hotel. Am Flughafen waren sowohl der Tower wie
das FBO geschlossen, aber es war jemand da, der die Ankünfte überwachte (um die Landegebühren zu
kassieren). Wenigstens war es warm, und ich bin sicher, morgen wird es sonnig werden.