Von Hawaii nach American Samoa, 2257 Seemeilen, 15 Flugstunden, hoffentlich
weniger bei günstigen Passatwinden
Es gibt einige wenige Inseln zum Überfliegen, und die Weihnachtsinsel ist eine gute Alternative bei Problemen
Auf silbernen Flügeln
Über den Ozean nach Samoa
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© Carol Ann Garatt |
Dritter Abschnitt: Hawaii nach Amerikanisch Samoa
Das kann ich schaffen!!
Es gibt einige wenige Inseln zum Überfliegen, und die Weihnachtsinsel ist eine gute Alternative bei Problemen
Flugbericht: Hilo, Hawaii nach American Samoa
11. März 2003
Was für ein frustrierender Morgen...bin aber letztendlich auf dem Weg. Bin um 4:30 früh aufgestanden und prüfte zum letztenmal das Wetter -- looked great, keine GROSSEN Fronten. Wie der Wettermann schon sagte, nur ein paar vereinzelte Gewitter, leicht zu umgehen sind. In der Windwetterkarte fehlten die Richtungspfeile, aber gestern sah es nach einem seitlich von hinten kommenden Wind aus. Am Flughafen überprüfte ich alles, schaltete auf jeden Tank um mich zu versichern, dass alle Luft raus war, dann rief ich die Bodenkontrolle, als der Tower um 6 Uhr öffnete. Freigabe bekommen, wunderschöner Start und Steigflug nach Osten, wunderschöner Tag, ich bin unterwegs, so oder ähnlich - dachte ich. Hilo Abflugkontrolle bat mich, auf Kurzwelle umzuuschalten, um sicher zu stellen, dass der Funk in Ordnung ist, anderenfalls könnten sie mich nicht aus ihrem Luftraum entlassen. Kein Problem denke ich, die Kurzwelle funktionierte den ganzen Weg über großartig. Ich schalte also auf Kurzwelle und ... nichts zu hören. Ich teste weiter, prüfe Verkabelung und funke über eine halbe Stunde. Die Übertragungen erzeugen einen starken Ausschlag auf der Anzeige. Flugsicherung fordert auf zur Umkehr, gibt mir dann eine andere Frequenz zum Probieren. Die Antenne wird zweimal raus- und wieder eingezogen [zu Start und Landung ist eine Kurzwellenantenne aufgrund deren Länge einzuziehen]. Ich bin erschöpft und sehr frustriert. Schließlich kehre ich um und lande recht heftig (weil vollgetankt). Ich muß beim Ein- oder Aussteigen an irgend etwas gestoßen sein...Ich überprüfe alles. Tim, der Tankwart, befestigt die Antenne oben an einer auf seinem LKW stehenden Leiter. Der Empfang ist SEHR schwach. Ich überprüfe alle Kabel, schließe den Kopfhörer direkt an. Dann, als ich den Strom einschalte, muß ich wohl die gerade unterhalb befindliche Sendetaste getroffen haben. Ich höre schließlich statisches Rauschen - die Trägerfrequenz -- was für eine Erleichterung. Jetzt weiß ich, daß das das Problem war. Ich tanke wieder auf, Tim umarmt mich (er paßte jedesmal, wenn ich am Flugzeug war, auf mich auf und wir quatschten ein wenig über die vergangenen paar Tage) und sagt "Aloha Nui"; ich starte den Motor, rolle und hebe ab. Ich bitte, auf Kurzwelle umschalten zu dürfen und beginne mit dem testen. Kein Empfang. Ich steige weiter und höre einige schwache Stimmen. Als ich über 3000 Fuss steige, empfange ich sehr gut. Ich funke und SF Radio ruft zurück, so klar wie eine Glocke!! Ich kann Ihnen sagen, es ist kein Spass, die Kurzwellenantenne während eines Steig- oder Sinkflugs rein- und raus zu kurbeln. Hilo Abflugkontrolle gibt weiterhin Vektoren zu einer Luftstraßenkreuzung und eine Freigabe nach Amerikanisch Samoa. Falls der Kontakt über VHF verloren geht, soll ich mich bei SF Radio melden. Nach 100 Meilen höre ich die Streckenkontrolle rufen, aber sie können meine Antwort nicht nicht hören, also schalte ich zurück auf SF Radio und rufe und rufe. Keine Antwort, ich fass' es nicht. Ich werde nochmals zurückkehren müssen. Ich schalte auf die andere Frequenz, die sie mir gaben, und jetzt verstehe ich sie laut und klar. Booh, ich kann weiter ziehen auf meinem Weg. Ok, jetzt kann ich mich aufs eigentliche Fliegen und die Positionsmeldungen beschränken.
Kleine bauschige Wolken ringsum, dann bin ich über einem wolkenlosen Gebiet, dann wieder
mehr kleine bauschige Wolken. Ich freue mich nicht auf die Gewitter, aber wenigstens sind
es nur vereinzelte, nicht so wie letzte Woche, als das Satelliten-Foto quer durch meine
Route rot erschien. Zurück zum Fliegen und den Positionsmeldungen...ohne Zweifel, dies ist mein Tag für Probleme mit der Kurzwelle. Aber das hält meinen Verstand davon ab, sich mit anderem zu beschäftigen, z.B. mit der Langeweile. Nur für den fall, dass ihr euch, ihr Piloten dort draußen wundern solltet, ja, ich prüfe die Anzeigen, das GPS und die Instrumente während all dies hier passiert! Die nächste Positionsmeldung klappte, fast dreieinhalb Stunden geflogen, nur noch zwölf Stunden zu fliegen. Das Wetter sieht immer noch gut aus und ich habe bis jetzt einen Rückenwind von fünf Knoten. Tastächlich waren die Öl- und die Zylinderkopftemperatur leicht höher als die normale Anzeige, nicht überraschend bei der höheren Motordrehzahl. Ich nehme die Drehzahl auf 2450 Umdrehungen zurück, und nach einigen Minuten gehen die Anzeigen leicht zurück. Ich möchte den kleine armen Motor nicht überhitzen. Vielleicht fühle ich mehr mit dem Motor, da die Sonne durch das linke vordere Fenster strömt und mich brät. Ich möchte nicht gebraten werden, und ich möchte meinen Motor auch nicht braten. Nur noch 180 Meilen vor mir, ich kurve 10 Grad nach links und bekomme die Sonne weg von meiner Schulter. Eine weitere erfolgreiche Positionsmeldung; ich bekomme wieder Vertrauen, dass die Probleme beim Empfang auf der Kurzwelle hinter mir sind. Ich möchte wirklich, wirklich nicht von hier wieder zurückkehren müssen. SF Radio klingt laut und klar und es ist eine Freude, sie jede Stunde zu hören. Ich frage mich ob ich den Äquator auf dem GPS sehen werde. Ich vermute mal, ich werde dies in einigen Stunden herausfinden. Nur 10 Grad 50 Minuten nördlich (des Äquators) jetzt. Auch frage ich mich wann ich den GPS Chip mit der amerikanischen Datenbank gegen den mit der internationalen tauschen soll. Ich habe sie vor meinem Aufbruch herunter geladen. Amerikanisch Samoa ist vermutlich auf dem neuen Chip, aber bis jetzt zeigt der alte Chip, dass er weiß wo Pago Pago liegt. Ich kann dorthin mittels des alten Chips gelangen, aber die Anflugverfahren sind auf dem neuen Chip. Ich denke, ich werde abwarten bis ich sehr nah an Pago Pago bin, bevor ich den Chip im GPS austausche. Unsinnig, das jetzt hier inmitten des Niemandslandes zu probieren.
Ok, Mittagszeit, was gibt's heute auf der Speisekarte? Truthahn Sandwich mit Salat und Tomaten, Lebkuchen zum Nachtisch, Cheerios und einen Apfel zum Knabbern. Gesund!! Und, übrigens, das gilt auch für's Abendessen. Hab' gerade mal den Treibstoffverbrauch auf dem letzten Abschnitt überprüft, 8.2 Gallonen pro Stundeund ein Quart [knapper halber Liter] Öl. Excellent. Meine Geschwindigkeit ist von 150 runter auf 142 Knoten, je mehr ich von Südwest nach Süden drehe, und der Wind weiter aus Osten weht. Ich habe immer noch eine Rückenwindkomponente von 4 Knoten und bin damit zufrieden.
Und nun, nach meiner letzten Positionsmeldung, hängte die nette Person am Funk nach dem "Roger" ein "Ich spreche in einer Stunde wieder mit Ihnen". Es ist wirklich tröstend, jemanden zu haben, de rstündlich mit einem redet. Es erinnert mich, wozu ich meine Amateurfunklizenz hauptsächlich habe. Ich segelte - tatsächlich in einem Schlepper - von den Kanaren nach Dakar an der Westküste Afrikas im Senegal. Wir waren sieben Tage auf dem Ozean. Keine lange Überfahrt für echte Segler, aber die Erste für mich (ich war die dritte Person, eingeladen von den anderen beiden, um bei den Wachen während der Überfahrt auszuhelfen); die anderen beiden segelten bereits jahrelang. Ich war froh, bei ihnen zu sein und auszuhelfen; es war eine lustige Reise. Aber was mir auffiel war, dass wir nur zweimal am Tag mit anderen Leuten sprachen. Der Kapitän besaß ein Amateurfunkgerät und rief in zwei Netze, um die letzten Nachrichten zu bekommen und zu berichten, wie es uns ging. Für mich, nicht gewöhnt an dieses Leben, war es wie eine Rettungslinie zum Rest der Menschheit. Nach Abschluß der Reise bestellte ich die Amateurfunkbücher und begann zu lernen. Meine Mutter hatte bereits ihre Allgemeine und mein Vati seine Anfängerlizenz, daher schickten sie mir all ihre Informationen und Tonbänder, um den Morse-Kode zu üben. Vier Monate später ließ ich mich für meine Allgemeine Lizenz prüfen und bestand. Ich habe sie nicht oft benutzt, aber jetzt auf diesem Trip fühlt es sich jede Stunde an wie eine Rettungslinie. Zudem macht das Reden mit anderen Amateurfunkern, zwischen den Positionsmeldungen, den Trip persönlicher. Auch können sie Informationen an Freunde und die Familie weitergeben. Bin gerade durch die ersten Wolken durch. Ich hatte einige CBs [CB = Cumulo Nimbus; Gewitterwolke] sich in verschiedenen Quadranten entwickeln sehen, aber nicht direkt voraus. Ich sah niedrige Wolken und einige Cumuli hoch bis auf schätzungsweise 12-15.000 Fuss. Ich schaltete alles Elektrische ab und verzurrte alles, dann begann der Regen. Es war überhaupt nicht turbulent. Eine halbe Stunde später war ich durch. Nicht schlecht. Letzte Woche wäre es furchtbar gewesen, falls ich überhaupt aufgebrochen wäre. Dies ist das ideale Wetter, so gut es eben geht (sagte der Wettermann gestern). Elf Stunden geflogen, die Sonne beginnt um 19:30 Ortszeit Samoa unterzugehen. Ich bin durch mehrere Wolkenschichten, nichts ernstes, bloß ein paar Cumuli und ein wenig Regen. Immer noch klar voraus, keine sich auftürmenden CBs, und ich habe auf der ganzen Reise überhaupt keine Echos auf dem Wetterradar gesehen. Der Rückenwind hat sich verstärkt, und ich mache 158 - 160 Knoten. Immer noch vier Stunden vor mir, aber es sieht ruhig aus. Ich erreiche die ELLMS Luftstrassenkreuzung; dies ist eine FIR Grenze [FIR = Flight Information Region; das von einer Streckenkontrolle kontrollierte Gebiet; es erfolgt normalerweise eine Übergabe an eine andere Streckenkontrolle durch den Lotsen durch Angabe einer neuen Frequenz]. Ich weiß nicht genau, was passieren wird aber ich vermute sie werden mich rufen. Als ich meine normale Positionsmeldung durchgebe, nehmen sie dies zur Kenntnis und bitten mich, Auckland Radio zu rufen. Ich rufe sie, kann aber niemanden erreichen und kehre zu SF Radio zurück. Ich bin sehr ruhig, weil diesmal kann ich nicht viel tun ausser fort zu fahren. Schließlich erreiche ich Auckland Radio, der Lotse nimmt meine Posotionsmeldung zur Kenntnis und fragt, wohin ich gehe und woher ich komme. Es ist an der Zeit, den GPS Chip zu wechseln. Er zeigt keine weiteren auf der Karte vorhandenen Luftstraßenkreuzungen [an denen weitere Positionsmeldungen erforderlich wären]. Aber ich bin ein Feigling, ich werde der purpurnen Linie [der auf dem GPS angezeigte direkte Weg zum Ziel] nach Pago Pago folgen und den Chip tauschen, sobald ich VOR oder ADF Empfang habe [Funkfeuer, VOR gerichtetes Funkfeuer, ADF ungerichtetes Funkfeuer]. Einhundert Meilen vom Ziel entfernt wechsle ich auf VHF. Ich lege den neuen Chip ein und lade den Anflug. Obwohl ein ILS Anflug im Handbuch beschrieben ist, kennt das GPS nur zwei VOR DME Anflüge, nun gut. Ich lade den Anflug aus dem Norden, da der Wind nur leicht und variabel ist. Es gibt eine Bergspitzen und Leitungen quer über der Bucht, achte daher genau auf die Flughöhe und steige langsam ab. Schließlich bin ich unten, 15 Stunden und 12 Minuten geflogen. Es ist an der Zeit, eine Abstellplatz und ein Hotel zu finden!!
Ein Tag auf Amerikanisch Samoa
Ich suchte das Wetterbüro auf, und sie erlaubten mir einen Blick auf all ihre Computer-Karten sowie jene Karten, welche ich von den USA aus betrachtete. Die letzte Satellitenkarte, die ich betrachtete, zeigte zwei große Triefdruckgebiete in der Umgegend. Mir wurde erklärt, es seien Zyklone [Wirbelstürme], aber ich könne zwischen ihnen hindurch, nachdem der erste vorbei gezogen sei. Auf den neueren Karten zeigte sich dies als definitive Möglichkeit. Da diese Einrichtung 24 Stunden am Tag geöffnet ist, werde ich sie heute abend nochmals aufsuchen sowie Donnerstag morgen vor dem Start.
Um fünf Uhr raus aus dem Bett und auf zum Wetterbüro. Ja, zwischen den beiden Zyklonen ist ein großer Zwischenraum; der erste bewegt sich mit 25, der zweite gerade mal mit 12 Knoten, wodurch der Zwischenraum sich weiter vergrößert. Aber die Gegenwinde betragen 40 - 45 Knoten zum Beginn meiner Fluges und bleiben bei 30 - 35 Knoten bis hinunter nach Neuseeland. Sieht so aus als müßte ich ein wenig länger warten. Diese Tiefdruckgebiete drehen sich auf der südlichen Hemisphäre im Uhrzeigersinn, daran mußt Du dich sich erst gewöhnen. Als der erste Zyklon vorbei zieht, herrscht noch Gegenwind, dann aber, als der zweite Zyklon aufzieht, habe ich Rückenwind. Das Timing auf diesem Abschnitt ist entscheidend, wenn es ein statt eines 15-stündigen ein 11 Stunden dauernder Flug werden soll. Obgleich die ersten paar Besuche im Wetterbüro glatt verliefen, wurde mir am zweiten Tag der Zutritt verweigert. Aufgrund meiner durch die Gegenweinde bedingten verschobenen Abreise hatte ich ein weiteres Update über Winde und Zyklonen gewünscht. Obwohl man sich mehrfach entschuldigte, wurde mir weder ein Blick auf die Wetterinformationen erlaubt, noch bekam ich eine Wetterberatung, da dies, so wurde mir erklärt, in der Verantwortung der FAA [FAA = Federal Aviation Agency, amerikanische Luftfahrtbehörde] läge und nicht der Job vom Wetterdienst sei. Tatsächlich hatte ich das gleiche Problem auf Hawaii. Die FSS gab mir eine Telefonnummer in Honolulu, um das Wetter für den Pazifik zu erfragen. Als ich anrief, erklärte man mir, dies sei eine inoffizielle Beratung. Diese war hinsichtlich Inhalt und Deutung exzellent. Ic wollte wissen, wie ich an eine offizielle Beratung käme -- dies ekönne nur durch die FSS erfolgen, wurde mir erklärt. Als ich die FSS anrief, um meinen Flugplan aufzugeben und nach einer Wetterberatung fragte, hieß es, man könne keine Beratung für das pazifische Wetter geben und ich solle doch das Wetterbüro anrufen. Sieht ganz nach Catch 22, einer ausweglosen Situation aus auf Hawaii und Samoa.
ALS
Während es draußen regnete und ich auf die sich nähernden Tiefs und abflauende Winde wartete, sah ich BBC
World News. Ein italienisches Fußballteam wurde auf Medikamente untersucht und eine ungewöhnlich hohe Rate an
ALS unter den Spielern untersucht. Über die vergangenen 30 Jahre erkrankten 32 Mitspieler an ALS, mehr als
durch Zufall erklärbar. Ärzte untersuchen den Zusammenhang zwischen Drogen und der Erkrankung. Obwohl
man den hauptgrund in genetischer Veranlagung sah, sind Forscher der Meinung, andere Team-Statistiken
(und Medikamentation) sollten untersucht werden.
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