Auf silbernen Flügeln


Neuseeland




© Carol Ann Garatt
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Last Update:05.02.2004

Disclaimer

Das Fliegen in Neuseeland, erste Woche

Flugroute Was für ein wunderschönes Land, dieses Neuseeland von hier oben aus betrachtet. Sein saftiges Grün erinnert mich an England. Die kleinen Inseln, die man bei einem Anflug von Nordost zu sehen bekommt, mit ihren sich dahin windenden Hügeln und sandigen Stränden. Sie sehen sehr ansprechend aus.

Es gibt bedeutende Unterschiede in den Sichtflugkarten und -Verfahren zwischen den USA und Neuseeland. Glücklicherweise setzte Max Tooley, ein neuseeländischer Pilot, sich mit mir für zwei Stunden zusammen, um die Eigenheiten der Karten und Flughafen-Verfahren durchzusprechen. Es gibt so genannte durch blaue Rauten ausgewiesene Mandatory Broadcast Zones oder kurz MBZ's. Hier mußt Du deine Position, Höhe und Absichten kommunizieren, entweder alle 5 oder 10 Minuten, oder falls ein anderes Flugzeug im Funk ist, oder über bestimmten Pflichtmeldepunkten, falls vorhanden. Der Luftraum Delta [die um einen Flughafen bestehende, durch den Tower kontrollierte Kontrollzone] hat oft eine ovale Form entlang der Landebahn im Gegensatz zu den in den USA üblichen Kreis.
Es existiert ein neuseeländischer Sichtflugführer, welcher alle Flughafeninformationen, Einzelheiten der Flughafenverfahren, An- und Abflugrouten, Funkfrequenzen, Pisten und Serviceinformationen enthält. Er ist umfassend und für's Fliegen in Neuseeland absolut notwendig. Die neuseeländischen Flugkarten enthielten bis jetzt keine Funkfrequenzen oder Flugplatzhöhen [wie die USA Karten oder die der DFS]. Die neueren karten enthalten einige bedeutende Veränderungen, einschließlich der Funkfrequenzen und Höhenangaben zu Flugplätzen. Ich schätzte Max' Informationen und dessen geopferte Zeit wirklich sehr, ohne diese würde ich wahrscheinlich einige Flugregeln in Neuseeland verletzt haben. Glücklicherweise werde ich bei meiner Ankunft in Australien einen ebenfalls fliegenden Freund treffen, und wir werden uns bestimmt einige Zeit mit den dortigen Regeln befassen, bevor ich mich selbst zu weit hinaus wage.

Flugroute Flugroute Flugroute Flugroute Mein erster VFR-Flug [VFR = Visual Flight Rules, Sichtflugregeln] in Neuseeland startete vom Flugplatz Ardmore, gerade südöstlich von Auckland gelegen, nach Whangarei ungefähr 80 Seemeilen nordwestlich. Ich hatte gerade gelernt, daß Ardmore seinerzeit Neuseelands geschäftigster unkontrollierter Flugplatz war. An dem Sonntag an welchem ich eintraf, machten uns Max, Anna und ich auf, einige Arbeiten an der Mooney zu erledigen, und wurden durch einige seltene Oldtimer, die sich auf einen Sonntag-Nachmittags-Ausflug versammelten, belohnt. Wir sahen eine DeHaviland Dove, T-6, T-28, Boeing Stearman, Pitts Special, Walter Extra 300, PBY Catelina, Tiger Moth, einen französischen Jet Trainer, zusammen mit den vielen Cessnas, Pipers und anderen. Am Platz war sehr viel Verkehr. Ich war überrascht, am Montag, als ich nach Whangarei aufbrach, befand sich immer noch viel Verkehr in der Platzrunde. Ich prüfte und überprüfte alles, wartete dann am Ende des Rollweges auf eine Lücke im Verkehr, um abzufliegen. Der Flug im Norden nach Whangarei war schön. Ich hätte 100 Fotos machen können, die dennoch nicht die Schönheit der sich dahin schlängelnden grünen Hügel und Strände hätten einfangen können. Innerhalb der MBZ machte ich meine Meldungen, landete ohne Probleme auf Whangarei, und rollte zum hiesigen Aero Club. Es gibt an nahezu jedem Flugplatz einen Aero Club, der als FBO [FBO = Fixed Based Operator, Flugbedarfshandel und Tankstelle am Flugplatz] und als Club/Bar/sozialer Treffpunkt diente.
Nachdem ich einige Zeit mit meiner Tante verbracht und mich auf den Besuch von Vati vorbereitet hatte, kehrte ich am nächsten nach Ardmore zurück. Ich konnte es nicht glauben, im Endanflug auf Ardmore befand ich paralell zu einer die Graspiste anfliegenden Tiger Moth!! WÜnschte, ich hätte ein Foto machen können. Es war erstaunlich, hinaus zu schauen und einen alten Doppeldecker neben mir zu sehen. Zur Zeit gibt es fünf solcher auf Ardmore stationierten Oldtimer, und sie fliegen regelmäßig an den Wochenenden. Am folgenden Tag flog ich nach Tauranga, eine Flugstunde südöstlich von Auckland. Die Strände sind makellos, und es gibt einen "Berg" an der Hafeneinfahrt, 800 Fuss in die Höhe ragend. Vor der Landung in Tauranga, machten wir Schauflüge um Rotorua und dessen Krater, ein Überrest des Tarawera Vulkans. Als der Vulkan ausbrach, brach er weit auf und ist jetzt ein kleiner ausgefranster Krater. Von hier flog ich südlich hinunter zu den Nordinseln, vorbei an Lake Taupo, drehte nach links, zwischen Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu hindurch, über unfruchtbares Bergland um Wellington zu fotografieren, weiter nach Marlborough Sound, dann rechts kurvend, weiter nach Nelson zur Nordspitze der südlichen Inseln.

Flugroute Es war ein herrlicher Flug, und ich konnte mit dem Fotografieren nicht aufhören. Der Marlborough Sound besitzt eine aus dem Wasser ragende Landspitzen. Einige große und unbewohnte, viele kleine, mit Bäumen bewuchsene Landflecken ohne Behausung. Einige davon karg, unfruchtbar. Das Wasser war blau, blau-grün, türkis, immer abhängig vom Licht der Sonne, der Tiefe und den Schatten. So viel verschiedene Landschaft auf so kurzer Distanz war schon erstaunlich; innerhalb vonn nur drei Flugstunden hatte ich schnee-bedeckte Berggipfel, Vulkane, Seen, karge Gebirge, Ackerland und Strände entdeckt.
Die neuseeländischen Tower Lotsen gehen mit dem VFR Verkehr so präzise um wie die US Lotsen mit dem IFR Verkehr. Vom Piloten wird das Zurücklesen [Readback, Wiederholung des Gehörten] jeder einzelnen Anweisung erwartet. Falls du das vergißt, wirst du - für gewöhnlich höflich - erinnert. Wenn Du den Empfang der ATIS [Aerodrome Traffic Information Service = Wetter- und andere Flugplatz bezogenen Daten] bestätigst, mußt du den aktuellen Luftdruck zusätzlich bestätigen. VFR Anflug- und Abfluginformation bekommst Du aus dem Sichtflugführer. Es ist günstig, vor der Ankunft und Landung mit den Informationen vertraut zu sein, denn die Anweisungen der Tower basierten auf den Informationen aus dem Handbuch. Eine bestimmte Position nicht zu kennen war keine Entschuldigung, da sie im Handbuch enthalten und auf den Karten verzeichnet ist. Ich fand Pepin Island ohne Probleme und meldete es an Nelson Tower, der mich für den weiteren Anflug und den Einflug in den Gegenanflug für die Piste 02 freigab. Hier heisst es Joining für Anflug zur Landung, Circuit für Platzrunde und Line up anstatt Aufstellen und warten.

Das Fliegen in Neuseeland, zweite Woche

Die Wein-anbauende Region befindet sich auf der Nordostseite der Südinsel, und die Gegend um Marlborough ist bekannt für den excellenten Sauvignon Blanc. Also auf zur Weinprobe. Ich ging in eine kleine Stadt namens M---- gerade westlich von Nelson. Dort gab es eine Weinhandlung und -Restaurant mit Weinproben der lokalen Winzer. Ich genoss eine Auswahl verschiedener Weine zusammen mit einer Käseplatte und kaufte einige Flaschen des verkosteten Weines. Es waren einige der fruchtigsten Weine, die ich je probiert habe, ohne allzu süß zu sein. Sie waren durchaus genießbar. Das war zu der Zeit, als der Irakkrieg ausbrach. Ich probierte also den Wein und sah die Berichte der Bombardierungen von Bagdad auf CNN und BBC.
Am nächsten Morgen gaben mir die Fluglehrer des Nelson Aero Clubs Empfehlungen für die Sichtflüge in der Umgegend, um die schönsten Ecken zu sehen. Es war herrlich, aber ich glaube, den Ausdruck habe ich schon mal benutzt. Die Küsten und Strände waren meist menschenleer und unverfälscht. Auf der Westseite waren die Gebirge unberührt von Menschenhand. Ich stieg auf 7500 Fuss und überflog sie auf meinem Weg auf meinem Weg nach Nordost. Ich flog wieder an Nelson und dem Marlborough Sound vorbei, querte die Straße zur Nordinsel un weiter nach Tauranga. Was für ein Land.
Den hiesigen Dialekt zu sprechen und das Gesagte zu verstehen ist nicht immer leicht. Nördlich von Auckland gibt es ein Funkfeuer namens Whenuapai. Ich bin sicher, das keiner mich verstand, als ich es dem Wortlaut gemäß aussprach; und ich verstand nichts, wenn sie von Fen-oo-a-pie redeten. Ich mußte vor der Aussprache von Whangarei immer erst nachdenken, da es Wong-ga-ray oder Fong-ga-ray ausgeprochen wurde. Ich nannte auch immer meine Flugzeugkennung, N220FC beim im Funk beim Einleitungsanruf. Auf diese Art und Weise, das sie es mit einem amerikanischen Flugzeug und Piloten zu tun hatten, der neu in der Gegend war. Sie nannten mich kurzerhand NFC nach dem ersten Funkkontakt. Die Neuseeländer nutzen die ersten zwei Buchstaben, ZK, der Flugzeugkennung als Länderkennung für Neuseeland [so wie D- in Deutschland oder N in den USA], gebrauchen aber für gewöhnlich nur die letzten drei Buchstaben im Funk. NFC als Kurzform für N220FC, die Kennung meines Flugzeuges, passte gut und ich gewöhnte mich schließlich daran, NFC zu sagen statt 0FC [wie in den USA üblich].

Flugroute Flugroute Flugroute Mein Vati traf am folgenden Montag in Auckland ein. Um ihn wach zu halten, damit er seinen Jetlag überwand, besuchten wir die Flugzeuge am Flugplatz Ardmore. Wir sahen eine Hawker Fury und wine DeHaviland Dove sowie eine DC2. Vati flog in einer Dove auf Geschäftsreisen, als er in den 50ern für David Brown Tractors in Meltham in England arbeitete. Nach einem Tag der Ruhe, flog ich in der Umgegend von Auckland und bis nach Whangarei.

Unglücklicherweise sanken die Wolken immer tiefer auf meinem Weg nach Norden, und der Regen kam stoßweise. Ich kehrte zurück und gab einen IFR Flugplan auf. Jetzt ähnelte das Ganze mit den Wolken und dem Regen über den grünen Hügeln und Tälern England.
Drei Tage lang "schüttete es wie aus Eimern" mit heulendem Wind. Niedrige Wolken, Dunst, Regen, grüne Hügel, SO WIE England. Meine Mooney war draußen festgezurrt, und ich schlief jedesmal schlecht, wenn ich den Regen aufs Haus hämmern hörte. Mike Chubb von Northland Aviation bot an, die Mooney in seinem Hangar zu parken und er, Mike, Jason und Rowan schoben sie rein. Danke Jungs! Schließlich kam ich doch noch zu einem guten Schlaf.
Am dritten und vierten Tag nahmen wir das Auto, um ein wenig aus dem Haus zu kommen und die Gegend zu erkunden. Eine wunderbare Gegend, aber das werde ich immer über Neuseeland sagen, weil es so ist.

Flugroute1 Flugroute2 Flugroute3 Die Bilder links zeigen Whangarei von einem Hügel aus gesehen.

Flugroute4 Flugroute Flugroute5 Die Wasserfälle und die Whangarei Heads sind Attraktionen, die man bei Besuchen in dieser Gegend aufzuchen sollte. Vati ist auf dem oberen linken Bild beim Blick über die Fälle.
Das Tiefdruckgebiet zog ab in den Süden und die Sonne kam durch am vierten Tag. Vati war endlich warm und feute sich, mehr von Neuseeland zu sehen.
Das mittlere Bild zeigt die Whangarei Heads vor der Ostküste von Whangarei. Das rechte Bild zeigt den ersten Head vom Boden aus gesehen.

Flugroute1 Flugroute1 Nachdem ich Whangarei verließ, flog ich nach Keri Keri und die Bay of Islands. Wie der Name schon sagt, gibt es dort in der Bucht kleine Inseln vor der Küste. Es ist ein großartiges Segelgebiet; wie fast überall in Neuseeland.
Während meiner Reise wurde viel über den America's Cup diskutiert. Die Einheimischen waren mächtig enttäuscht von den Ergebnissen. Im Fernsehen wurde sogar darüber gesprochen, den Kapitän (des Schweizer Bootes) aus dem Royal Neuseeland Yacht Club raus zu schmeißen.
Die Zeit in Neuseeland hat viel Spaß gemacht und Freude bereitet, sowie mir einen fantastischen Eindruck von Neuseeland gegeben. Es ist wahrhaftig ein großartiges Land. Ich wünschte, ich könnte länger bleiben. Eines kann ich garantieren: Ich werde zurück kommen.