Was für ein wunderschönes Land, dieses Neuseeland von hier oben aus betrachtet. Sein saftiges
Grün erinnert mich an England. Die kleinen Inseln, die man bei einem Anflug von Nordost zu sehen
bekommt, mit ihren sich dahin windenden Hügeln und sandigen Stränden. Sie sehen sehr ansprechend aus.
Es gibt bedeutende Unterschiede in den Sichtflugkarten und -Verfahren zwischen den USA und
Neuseeland. Glücklicherweise setzte Max Tooley, ein neuseeländischer Pilot, sich mit mir für zwei
Stunden zusammen, um die Eigenheiten der Karten und Flughafen-Verfahren durchzusprechen.
Es gibt so genannte durch blaue Rauten ausgewiesene Mandatory Broadcast Zones oder kurz MBZ's.
Hier mußt Du deine Position, Höhe und Absichten kommunizieren, entweder alle 5 oder 10 Minuten,
oder falls ein anderes Flugzeug im Funk ist, oder über bestimmten Pflichtmeldepunkten, falls
vorhanden. Der Luftraum Delta [die um einen Flughafen bestehende, durch den Tower kontrollierte
Kontrollzone] hat oft eine ovale Form entlang der Landebahn im Gegensatz zu den in den USA
üblichen Kreis.
Es existiert ein neuseeländischer Sichtflugführer, welcher alle Flughafeninformationen, Einzelheiten
der Flughafenverfahren, An- und Abflugrouten, Funkfrequenzen, Pisten und Serviceinformationen
enthält. Er ist umfassend und für's Fliegen in Neuseeland absolut notwendig. Die neuseeländischen
Flugkarten enthielten bis jetzt keine Funkfrequenzen oder Flugplatzhöhen [wie die USA Karten oder
die der DFS]. Die neueren karten enthalten einige bedeutende Veränderungen, einschließlich
der Funkfrequenzen und Höhenangaben zu Flugplätzen. Ich schätzte Max' Informationen und dessen
geopferte Zeit wirklich sehr, ohne diese würde ich wahrscheinlich einige Flugregeln in Neuseeland
verletzt haben. Glücklicherweise werde ich bei meiner Ankunft in Australien einen ebenfalls
fliegenden Freund treffen, und wir werden uns bestimmt einige Zeit mit den dortigen Regeln
befassen, bevor ich mich selbst zu weit hinaus wage.
Mein erster VFR-Flug [VFR = Visual Flight Rules, Sichtflugregeln] in Neuseeland startete
vom Flugplatz Ardmore, gerade südöstlich von Auckland gelegen, nach Whangarei ungefähr 80
Seemeilen nordwestlich. Ich hatte gerade gelernt, daß Ardmore seinerzeit Neuseelands geschäftigster
unkontrollierter Flugplatz war. An dem Sonntag an welchem ich eintraf, machten uns Max, Anna und ich
auf, einige Arbeiten an der Mooney zu erledigen, und wurden durch einige seltene Oldtimer, die
sich auf einen Sonntag-Nachmittags-Ausflug versammelten, belohnt. Wir sahen eine DeHaviland Dove,
T-6, T-28, Boeing Stearman, Pitts Special, Walter Extra 300, PBY Catelina, Tiger Moth, einen
französischen Jet Trainer, zusammen mit den vielen Cessnas, Pipers und anderen. Am Platz war sehr
viel Verkehr. Ich war überrascht, am Montag, als ich nach Whangarei aufbrach, befand sich immer
noch viel Verkehr in der Platzrunde. Ich prüfte und überprüfte alles, wartete dann am Ende des
Rollweges auf eine Lücke im Verkehr, um abzufliegen. Der Flug im Norden nach Whangarei war schön.
Ich hätte 100 Fotos machen können, die dennoch nicht die Schönheit der sich dahin schlängelnden
grünen Hügel und Strände hätten einfangen können. Innerhalb der MBZ machte ich meine Meldungen,
landete ohne Probleme auf Whangarei, und rollte zum hiesigen Aero Club. Es gibt an nahezu jedem
Flugplatz einen Aero Club, der als FBO [FBO = Fixed Based Operator, Flugbedarfshandel und Tankstelle
am Flugplatz] und als Club/Bar/sozialer Treffpunkt diente.
Nachdem ich einige Zeit mit meiner Tante verbracht und mich auf den Besuch von Vati vorbereitet
hatte, kehrte ich am nächsten nach Ardmore zurück. Ich konnte es nicht glauben, im Endanflug auf Ardmore
befand ich paralell zu einer die Graspiste anfliegenden Tiger Moth!! WÜnschte, ich hätte ein
Foto machen können. Es war erstaunlich, hinaus zu schauen und einen alten Doppeldecker neben mir
zu sehen. Zur Zeit gibt es fünf solcher auf Ardmore stationierten Oldtimer, und sie fliegen regelmäßig
an den Wochenenden. Am folgenden Tag flog ich nach Tauranga, eine Flugstunde südöstlich von Auckland.
Die Strände sind makellos, und es gibt einen "Berg" an der Hafeneinfahrt, 800 Fuss in die Höhe
ragend. Vor der Landung in Tauranga, machten wir Schauflüge um Rotorua und dessen Krater, ein
Überrest des Tarawera Vulkans. Als der Vulkan ausbrach, brach er weit auf und ist jetzt ein kleiner
ausgefranster Krater. Von hier flog ich südlich hinunter zu den Nordinseln, vorbei an Lake Taupo,
drehte nach links, zwischen Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu hindurch, über unfruchtbares Bergland
um Wellington zu fotografieren, weiter nach Marlborough Sound, dann rechts kurvend, weiter nach Nelson
zur Nordspitze der südlichen Inseln.
Es war ein herrlicher Flug, und ich konnte mit dem Fotografieren nicht aufhören. Der Marlborough
Sound besitzt eine aus dem Wasser ragende Landspitzen. Einige große und unbewohnte, viele kleine,
mit Bäumen bewuchsene Landflecken ohne Behausung. Einige davon karg, unfruchtbar. Das Wasser war
blau, blau-grün, türkis, immer abhängig vom Licht der Sonne, der Tiefe und den Schatten. So viel
verschiedene Landschaft auf so kurzer Distanz war schon erstaunlich; innerhalb vonn nur drei
Flugstunden hatte ich schnee-bedeckte Berggipfel, Vulkane, Seen, karge Gebirge, Ackerland und
Strände entdeckt.
Die neuseeländischen Tower Lotsen gehen mit dem VFR Verkehr so präzise um wie die US Lotsen
mit dem IFR Verkehr. Vom Piloten wird das Zurücklesen [Readback, Wiederholung des Gehörten] jeder
einzelnen Anweisung erwartet. Falls du das vergißt, wirst du - für gewöhnlich höflich - erinnert.
Wenn Du den Empfang der ATIS [Aerodrome Traffic Information Service = Wetter- und andere Flugplatz
bezogenen Daten] bestätigst, mußt du den aktuellen Luftdruck zusätzlich bestätigen. VFR Anflug- und
Abfluginformation bekommst Du aus dem Sichtflugführer. Es ist günstig, vor der Ankunft und Landung
mit den Informationen vertraut zu sein, denn die Anweisungen der Tower basierten auf den Informationen
aus dem Handbuch. Eine bestimmte Position nicht zu kennen war keine Entschuldigung, da sie im
Handbuch enthalten und auf den Karten verzeichnet ist. Ich fand Pepin Island ohne Probleme
und meldete es an Nelson Tower, der mich für den weiteren Anflug und den Einflug in den Gegenanflug
für die Piste 02 freigab. Hier heisst es Joining für Anflug zur Landung,
Circuit für Platzrunde und Line up anstatt Aufstellen und warten.
Die Wein-anbauende Region befindet sich auf der Nordostseite der Südinsel, und die Gegend um Marlborough
ist bekannt für den excellenten Sauvignon Blanc. Also auf zur Weinprobe. Ich ging in eine kleine Stadt
namens M---- gerade westlich von Nelson. Dort gab es eine Weinhandlung und -Restaurant mit Weinproben
der lokalen Winzer. Ich genoss eine Auswahl verschiedener Weine zusammen mit einer Käseplatte und kaufte
einige Flaschen des verkosteten Weines. Es waren einige der fruchtigsten Weine, die ich je probiert
habe, ohne allzu süß zu sein. Sie waren durchaus genießbar. Das war zu der Zeit, als der Irakkrieg ausbrach.
Ich probierte also den Wein und sah die Berichte der Bombardierungen von Bagdad auf CNN und BBC.
Am nächsten Morgen gaben mir die Fluglehrer des Nelson Aero Clubs Empfehlungen für die Sichtflüge in
der Umgegend, um die schönsten Ecken zu sehen. Es war herrlich, aber ich glaube, den Ausdruck habe ich
schon mal benutzt. Die Küsten und Strände waren meist menschenleer und unverfälscht. Auf der Westseite
waren die Gebirge unberührt von Menschenhand. Ich stieg auf 7500 Fuss und überflog sie auf meinem Weg
auf meinem Weg nach Nordost. Ich flog wieder an Nelson und dem Marlborough Sound vorbei, querte die
Straße zur Nordinsel un weiter nach Tauranga. Was für ein Land.
Den hiesigen Dialekt zu sprechen und das Gesagte zu verstehen ist nicht immer leicht. Nördlich von
Auckland gibt es ein Funkfeuer namens Whenuapai. Ich bin sicher, das keiner mich verstand, als ich es
dem Wortlaut gemäß aussprach; und ich verstand nichts, wenn sie von Fen-oo-a-pie redeten.
Ich mußte vor der Aussprache von Whangarei immer erst nachdenken, da es Wong-ga-ray
oder Fong-ga-ray ausgeprochen wurde. Ich nannte auch immer meine Flugzeugkennung, N220FC beim
im Funk beim Einleitungsanruf. Auf diese Art und Weise, das sie es mit einem amerikanischen Flugzeug
und Piloten zu tun hatten, der neu in der Gegend war. Sie nannten mich kurzerhand NFC nach dem
ersten Funkkontakt. Die Neuseeländer nutzen die ersten zwei Buchstaben, ZK, der Flugzeugkennung
als Länderkennung für Neuseeland [so wie D- in Deutschland oder N in den USA], gebrauchen
aber für gewöhnlich nur die letzten drei Buchstaben im Funk. NFC als Kurzform für N220FC,
die Kennung meines Flugzeuges, passte gut und ich gewöhnte mich schließlich daran, NFC zu sagen
statt 0FC [wie in den USA üblich].
Mein Vati traf am folgenden Montag in Auckland ein. Um ihn wach zu halten, damit er seinen Jetlag überwand,
besuchten wir die Flugzeuge am Flugplatz Ardmore. Wir sahen eine Hawker Fury und wine DeHaviland
Dove sowie eine DC2. Vati flog in einer Dove auf Geschäftsreisen, als er in den 50ern für
David Brown Tractors in Meltham in England arbeitete. Nach einem Tag der Ruhe, flog ich
in der Umgegend von Auckland und bis nach Whangarei.
Unglücklicherweise sanken die Wolken immer tiefer auf meinem Weg nach Norden, und der
Regen kam stoßweise. Ich kehrte zurück und gab einen IFR Flugplan auf. Jetzt ähnelte das
Ganze mit den Wolken und dem Regen über den grünen Hügeln und Tälern England.
Drei Tage lang "schüttete es wie aus Eimern" mit heulendem Wind. Niedrige Wolken, Dunst,
Regen, grüne Hügel, SO WIE England. Meine Mooney war draußen festgezurrt, und ich schlief
jedesmal schlecht, wenn ich den Regen aufs Haus hämmern hörte. Mike Chubb von Northland
Aviation bot an, die Mooney in seinem Hangar zu parken und er, Mike, Jason und Rowan
schoben sie rein. Danke Jungs! Schließlich kam ich doch noch zu einem guten Schlaf.
Am dritten und vierten Tag nahmen wir das Auto, um ein wenig aus dem Haus zu kommen und
die Gegend zu erkunden. Eine wunderbare Gegend, aber das werde ich immer über Neuseeland
sagen, weil es so ist.
Die Bilder links zeigen Whangarei von einem Hügel aus gesehen.
Die Wasserfälle und die Whangarei Heads sind Attraktionen, die man bei Besuchen
in dieser Gegend aufzuchen sollte. Vati ist auf dem oberen linken Bild beim Blick über die
Fälle.
Das Tiefdruckgebiet zog ab in den Süden und die Sonne kam durch am vierten Tag. Vati war
endlich warm und feute sich, mehr von Neuseeland zu sehen.
Das mittlere Bild zeigt die Whangarei Heads vor der Ostküste von Whangarei.
Das rechte Bild zeigt den ersten Head vom Boden aus gesehen.
Nachdem ich Whangarei verließ, flog ich nach Keri Keri und die Bay of Islands.
Wie der Name schon sagt, gibt es dort in der Bucht kleine Inseln vor der Küste. Es ist
ein großartiges Segelgebiet; wie fast überall in Neuseeland.
Während meiner Reise wurde viel über den America's Cup diskutiert. Die Einheimischen
waren mächtig enttäuscht von den Ergebnissen. Im Fernsehen wurde sogar darüber gesprochen,
den Kapitän (des Schweizer Bootes) aus dem Royal Neuseeland Yacht Club raus zu schmeißen.
Die Zeit in Neuseeland hat viel Spaß gemacht und Freude bereitet, sowie mir einen fantastischen
Eindruck von Neuseeland gegeben. Es ist wahrhaftig ein großartiges Land. Ich wünschte, ich
könnte länger bleiben. Eines kann ich garantieren: Ich werde zurück kommen.
Auf silbernen Flügeln